Gesellschaft

Gesellschaftliche Fragen rücken vermehrt in den Fokus der Gemeinde- und Regionalentwicklung. Der demografische Wandel bringt Herausforderungen mit sich, denen es zu begegnen gilt.

Jugend

Zur Entwicklung von generationengerechten Angeboten und Lösungen müssen die unterschiedlichen Anliegen und Bedürfnisse der Bevölkerung aufgenommen und analysiert werden. Soll zudem der Zugang zu den Angeboten und Infrastrukturen in den Gemeinden erleichtert und die Nutzung optimiert werden, so ist eine regionale Koordination von grossem Vorteil. Dies steigert die Effizienz und verstärkt gleichzeitig die Zusammenarbeit unter den Regio-Gemeinden.

Förderung und Vernetzung Jugend

Einmal jährlich findet ein Austausch zwischen den Politischen sowie Schul- und Kirchgemeinden, den Vertretern von Jugendorganisationen und dem Leiter der Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen des Kantons statt. Diese Plattform bietet neben Fachinputs und Fachreferaten die Möglichkeit, Informationen auszutauschen, Probleme zu erörtern, Bewährtes weiterzugeben und neue Projekte aufzugleisen. Gemeinsam können so Tendenzen erkannt und das weitere Vorgehen besprochen werden.

Mitglieder Projektgruppe

Ueli Bachofen (Leitung), Gemeinderat Stettfurt
E-Mail

Andrea Waltenspül, Gemeinderätin Gachnang

Barbara Molls, Gemeinderätin Müllheim

Pascal Mächler, Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen, Kanton Thurgau

Downloads

Einladung ERFA Jugend, 6. März 2018

Links

Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen

Kinder- und Jugendförderung Schweiz

Sozialnetz Thurgau 

 

 

Alter

Die Gemeinden der Regio sind in der Altersarbeit sehr verschieden aufgestellt. Auch zeigt sich die Altersstruktur sehr unterschiedlich. Die Stadt Frauenfeld hat im Dezember 2013 ihr Alterskonzept erlassen und damit im Kanton Pionierarbeit geleistet. Zurzeit werden verschiedenste Umsetzungsprojekte realisiert. Frauenfeld arbeitet im Netzwerk altersfreundlicher Städte mit und führt seit Juni 2014 eine Anlaufstelle für Alters- und Generationenfragen, welche u. a. für die Vernetzung und Weiterentwicklung aller Angebote für das Alter und Älterwerden zuständig ist. Weiter fördert das partizipativ organisierte Frauenfelder Projekt AWIQ das Älterwerden zuhause.

 

Umsorgt älter werden

Die Age-Stiftung unterstützt die Zusammenarbeit der Gemeinden. Um dem demografischen Wandel zu begegnen, bündeln im Kanton Thurgau Stadt und Land die Kräfte. Die Stadt Frauenfeld und die Gemeinden Pfyn, Warth-Weiningen, Stettfurt und Matzingen nehmen am Projekt «Umsorgt älter werden in der Region Frauenfeld» teil, dessen Ergebnisse auch weiteren Gemeinden dienen könnten. Zwei Schwerpunkte sind geplant. Zum einen erarbeiten die vier beteiligten Pilotgemeinden alterspolitische Grundlagen und profitieren dabei vom Know-How der Stadt. Zum anderen möchten die Verantwortlichen klären, wie sich Nachbarschaftshilfe und Freiwilligenarbeit im Altersbereich ausbauen lassen. Das Projekt wird von der Age-Stiftung im Rahmen ihres Programmes "Socius" unterstützt.

Zukunftskonferenzen

An den gut besuchten Zukunftskonferenzen, die zwischen Februar und März stattgefunden haben, konnte sich die Bevölkerung aktiv einbringen. In verschiedenen Gruppenarbeiten befassten sich die Teilnehmenden mit der aktuellen Situation der Altersarbeit in ihrer Gemeinde. Sie präsentierten erste Lösungsansätze für eine altersfreundliche Entwicklung, die dem Wunsch der meisten Betagten entgegenkommt, nämlich möglichst lange in einer vertrauten Umgebung leben zu können. Dabei zeigten die Workshops, dass es neben gemeindespezifischen Handlungsfeldern – Verkehrsfragen in Matzingen, Gesundheitsversorgung in Pfyn oder Anbindung an den Öffentlichen Verkehr in Stettfurt – verschiedene Themen gibt, welche die Bevölkerung in allen Pilotgemeinden beschäftigen.

Warth-Weiningen

Eine weite Reise mit vielen Begegnungen

Es riecht nach heissem Kaffee im Evangelischen Kirchgemeindehaus. Und der passt bestens zum Kuchen, der bereits auf dem Tisch angerichtet ist. Die 15 Besucherinnen und Besucher setzen sich – das Erzähl-Café kann starten.

Monika moderiert das Erzähl-Café. Sie ist eine der vielen Freiwilligen aus Warth-Weiningen, die sich im Projekt «Socius» der Regio Frauenfeld engagiert. Die Gemeinde Warth-Weiningen ist als Pilotgemeinde seit 2016 Teil des Projekts. Aus dieser Initiative ist ein neues Alterskonzept für das Dorf, um dessen Umsetzung sich die neu gegründete Interessengemeinschaft «Generationen» kümmert. Im Teilprojekt «Aktives Gemeindeleben» werden verschiedene Aktivitäten generationenübergreifend für die ganze Gemeindebevölkerung organisiert und gebündelt. Ein Flyer, der halbjährlich an alle Haushalte verteilt wird, informiert über die Termine für Wanderungen, Stammtische, Jassturniere und das Erzähl-Café.

«Wollen wir mit dem Thema Schulreise anfangen?», beginnt Monika. «Ich bin mir sicher, dass dazu jeder etwas zu erzählen hat.» Das Eis bricht noch nicht ganz, es knistert lediglich. Dann meldet sich eine ältere Dame und erzählt, wie sie als Primarschülerin in der ersten Klasse das Rütli besucht hat und fügt lachend hinzu: «Und nachher nie mehr». Eine andere Besucherin fragt nach, wann denn diese Schulreise stattgefunden habe. «1940».

Auch andere Gäste des Erzähl-Cafés erinnern sich an jene unruhigen Zeiten während des Krieges. Ein Gespräch über die schwierige Versorgungslage entspinnt sich; vielen sind die rationierten Lebensmittel in Erinnerung, Anekdoten werden erzählt. «Wenigstens gab es auf den Schulreisen immer etwas zu essen», sagt ein älterer Mann. Monika führt das Gespräch wieder zurück zum Rütli. Von dort geht es dann nach Amrum und Sylt, weiter nach Dänemark, dann zurück zu Zugfahrten im Extrawagen, Rucksäcken, Pfirsichen und Hörnli mit Chäs.

Die anfänglich noch etwas verhaltene Gesprächsrunde hat sich unterdessen zu einem geselligen Erzähl-Café entwickelt. Es wird gelacht, erzählt, ergänzt, Kuchen gegessen, Kaffee getrunken. Durch das gemeinsame Gespräch lernen sich die Beteiligten besser kennen und kommen einander näher. Genau solche Begegnungen sind die Basis für ein aktives Gemeindeleben.

Stettfurt

Jung und Alt im gegenseitigen Austausch

Es ist Frühling in Stettfurt. Die Sonne lacht am Himmel und taucht das Tscharnerhaus in warmes Licht. Eine perfekte Bühne für den Tausch-Treff, der dort zum ersten Mal stattfindet. Organisiert haben die Veranstaltung sechs Freiwillige aus dem Dorf. Gemeinsam bilden Ilse-Maria, Sonja, Doris, Romy, Markus und Iris die Projektgruppe «Begegnungsstätte für Jung und Alt». Sie setzen eines von drei Stettfurter Teilprojekten der Regio-Initiative «Umsorgt älter werden in der Regio Frauenfeld» um: Raum und Gelegenheit für generationenübergreifende Begegnungen schaffen.

Und generationenübergreifend ist er, der Tausch-Treff. Kinder mit ihren Eltern, Seniorinnen und Senioren, Jugendliche, Middle Agers  alle sind sie in den grossen Saal des Tscharnerhauses gekommen und haben ihre Tauschsachen mitgebracht. Ein Paar Kinderskis lehnt an der Wand, auf den Tischen sind sorgfältig Bücher, Vasen und CDs drapiert. Ein altes Laminiergerät glänzt in der Sonne. Während Kinder neugierig Spielsachen testen, diskutieren die Besucherinnen und Besucher bei Kaffee und Kuchen an den Tischen in der Mitte des Raums.

«Wir freuen uns, dass unsere Veranstaltung auf Anklang stösst», sagt Doris, die sich ehrenamtlich für dieses Projekt engagiert. Die Organisation des Tausch-Treffs sei der Gruppe leicht gefallen, alle verstünden sich gut und ergänzten sich optimal. Ob sie zufrieden seien mit der Anzahl Besucher? «Ja», sagt Iris, «wir machen uns aber auch keine Illusionen». Das Ziel der Gruppe sei es, einen Prozess anzustossen, die Dorfbevölkerung zu mobilisieren. Sie sagen, sie wüssten alle, dass sie einen Weg zu gehen hätten und fügen hinzu: «Aber wir haben viele Ideen!»

Im Rhythmus von zwei, drei Monaten soll jeweils eine Veranstaltung stattfinden, habe sich die Gruppe vorgenommen, erzählt Ilse-Maria. Um möglichst viele Altersgruppen anzusprechen, habe man im Anschluss an den Tausch-Treff einen Fyrobig-Apéro geplant, so sei für alle Generationen etwas dabei. «Schliesslich wollen wir auch den Berufstätigen etwas bieten», erklärt sie weiter. 

Die Projektgruppe hat aber nicht nur viele Ideen für kommende Veranstaltungen, sondern auch ein grosses Ziel: Ein Generationenhaus in Stettfurt. Das gesellschaftliche Fundament dazu ist auf jeden Fall schon gelegt.